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William Shakespeare: War er wirklich der alleinige Autor seiner Stücke?

„Künstlerische Darstellung der Familie Shakespeare, Ende des 19. Jahrhunderts“

William Shakespeare ist seit Jahrhunderten als einer der größten Dramatiker und Poeten der Welt anerkannt. Sein Name ist untrennbar mit Klassikern wie „Hamlet“, „Romeo und Julia“ und „Macbeth“ verbunden. Doch trotz – oder vielleicht gerade wegen – seines außergewöhnlichen Erfolgs ranken sich bis heute wilde Spekulationen um die Frage: War Shakespeare tatsächlich der Schöpfer all dieser Werke? Oder stecken andere hinter seinem berühmten Namen? Der sogenannte „Shakespeare-Autorschaftsstreit“ berührt Fragen nach Genie, Identität und literarischer Wahrheit und fasziniert sowohl Forscher als auch ein neugieriges Publikum weltweit.

In diesem Artikel tauchen wir tief in die Kontroverse ein: Woher stammen die Zweifel? Welche alternativen Kandidaten werden genannt? Was spricht für und gegen Shakespeares Alleinautorenschaft? Und was sagt die moderne Forschung? Ziel ist es, ein umfassendes, faktenbasiertes und zugleich emotional ansprechendes Bild dieses spannenden Kapitels der Literaturgeschichte zu zeichnen.

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Wer war William Shakespeare?

Shakespeare wurde 1564 in Stratford-upon-Avon geboren und starb 1616. Er hinterließ ein beeindruckendes Werk: 39 Dramen, 154 Sonette, mehrere epische Gedichte und andere Verse. Als Teil der Londoner Theaterszene war er nicht nur Autor, sondern auch Schauspieler und Mitbesitzer einer Schauspieltruppe.

Viele Details seines Lebens bleiben bis heute im Dunkeln. Über seine Schulbildung, Inspirationen oder persönlichen Ansichten ist wenig bekannt. Diese biografischen Lücken sind einer der Gründe, aus denen sich kontroverse Theorien über seine Autorschaft entwickelt haben.

Die Entstehung des Shakespeare-Autorschaftsstreits

Ursprünge der Zweifel

Über zwei Jahrhunderte nach Shakespeares Tod gab es keine öffentlichen Zweifel an seiner Autorenschaft. Erst im 19. Jahrhundert kam Bewegung in das Thema: Im Zeitalter der Romantik wurde das Bild vom genialen Dichter ohnegleichen etabliert. Manche fanden bald, dass ein Mann aus einfachen Verhältnissen aus Stratford kaum solch ein Werk vollbringen konnte. Das Fehlen persönlicher Briefe, Notizen oder expliziter Nachweise bestärkte die Skeptiker.

Diese sogenannten „Anti-Stratfordianer“ argumentierten, Shakespeares Werke zeugten von Bildung, Weltwissen und höfischer Vertrautheit, die kaum zu seiner Biografie passten. Sie schlugen vor, jemand anderes – oder eine ganze Gruppe – müsse hinter dem Namen stecken. Die Debatte wurde zu einer der langlebigsten Kontroversen der Literaturgeschichte.

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Die wichtigsten Theorien und alternativen Kandidaten

Francis Bacon

Manche glauben, Francis Bacon, ein berühmter Philosoph und ehemals englischer Lordkanzler, sei der wahre Urheber. Ihre Argumente gründen sich auf angebliche Verschlüsselungen in den Texten, Ähnlichkeiten im Denken und Bacons Zugang zur Elite. Doch keine zeitgenössischen Beweise verbinden Bacon eindeutig mit den Dramen. Die meisten Literaturwissenschaftler sehen diese Theorie als Randerscheinung.

Edward de Vere, Earl of Oxford

Die populärste alternative Autorschaftstheorie ist die „Oxfordianische Theorie“. Sie behauptet, Edward de Vere, der 17. Earl of Oxford, habe die Werke geschrieben. Seine Bildung, sein Status und seine zahlreichen Reisen machen ihn für Vertreter dieser Theorie scheinbar zum idealen Kandidaten. William Shakespeare von Stratford wird hier als bloßer „Strohmann“ dargestellt – ein Schauspieler, der den adligen Dichter schützen sollte.

Doch auch hier fehlen explizite Beweise. Kritiker merken an, dass Oxford 1604 starb, lange bevor viele der späten Stücke entstanden. Zudem gibt es keinen literarischen Text, der Oxford zu Lebzeiten mit dem Namen Shakespeare verknüpft.

Christopher Marlowe

Marlowe war ein Zeitgenosse Shakespeares und selbst ein begabter Dramatiker. Einige Theorien behaupten, Marlowe habe seinen eigenen Tod im Jahr 1593 inszeniert, um im Geheimen weiter zu schreiben. Diese Hypothese bleibt jedoch eine literarische Kuriosität ohne wissenschaftliche Grundlage.

Die „Gruppentheorie“

Eine weitere auditive Überlegung ist, dass mehrere Autoren – etwa Francis Bacon, Marlowe, de Vere und andere – gemeinsam und anonym die Shakespeare-Werke verfasst haben könnten. Auch dieses Konzept ist modern, aber es gibt kaum Beweise, die diese spekulative „Syndikats“-Theorie stützen.

Argumente der Kritiker und Befürworter

Hauptargumente der Kritiker

Argumente für Shakespeare von Stratford

Kollaboration in Shakespeares Werk

Die Vorstellung, dass Werke gemeinsam entstanden, ist heute durch neue Forschungen und computergestützte Analysen teilweise bestätigt. Stylometrische Untersuchungen haben ergeben, dass etwa elf Prozent des Shakespeare-Kanons vermutlich Mitautorenschaft aufweisen. Zehn andere Dramatiker werden heute als Co-Autoren einzelner Stücke angesehen (u.a. John Fletcher und Thomas Middleton).

Dennoch bleibt Shakespeare eindeutig der Hauptautor und kreative Kopf der meisten Stücke. Die Kooperation unter Dramatikern war in der damaligen Londoner Theaterszene eine gängige Praxis und mindert das literarische Genie des Autors keineswegs.

Die Sicht der Wissenschaft

Der überwältigende Konsens der Shakespeareforscher weltweit bleibt eindeutig: Die Belege für Shakespeares Autorschaft entsprechen den Maßstäben aller anderen Autoren des Zeitalters. Systematische Untersuchungen zeigen, dass das schriftliche und indirekte Zeugnis eine schlüssige Kette ergibt, die vom Namen auf den Titelseiten bis zu Erwähnungen durch Zeitgenossen reicht.

Die Tatsache, dass bestimmte biografische Details fehlen, entspricht der allgemeinen Quellenlage für Autoren der Epoche. Die Interpretation von Werken als rein autobiografisch wird als Anachronismus angesehen – ein Konzept, das erst im 19. Jahrhundert Verbreitung fand und nicht auf elisabethanische Literatur anwendbar ist.

Warum hält sich die Kontroverse?

Der Streit um Shakespeares Urheberschaft ist ein kulturelles Phänomen. Zum einen beruht er auf dem Wunsch nach dem Genie mit außergewöhnlichem Lebenslauf. Andererseits bietet die Ungewissheit Raum für Spekulationen, Geheimnisse und Verschwörungstheorien. Auch berühmte Persönlichkeiten (etwa Mark Twain, Sigmund Freud oder Helen Keller) äußerten Zweifel – was die Diskussion weiter befeuerte.

Schlussendlich sind es Fragen wie: „Wer darf ein Genie sein?“ und „Wie viel muss ich von einer Biografie kennen, um ein Werk zu verstehen?“, die das Thema immer wieder in den Fokus holen.

Nostalgie, Faszination und moderne Forschung

Shakespeare bleibt ein mysteriöses Genie. Gerade seine Vielschichtigkeit und universale Gültigkeit führen zu einer besonderen Form von Nostalgie: Jeder möchte ein Stück vom Mythos besitzen – sei es durch Enthüllungen, neue Theorien oder einfach das Genießen großer Literatur. Die Faszination für die Shakespeare-Autorschaft ist selbst Ausdruck kultureller Erinnerung und Sehnsucht nach einer goldenen Epoche des Theaters. Diese Nostalgie spiegelt sich nicht nur in der Forschung, sondern auch in Popkultur, Theater und Medien wider.

Trotz jahrhundertelanger Debatten sprechen alle belastbaren Beweise dafür, dass William Shakespeare von Stratford-upon-Avon der Hauptautor seines Werkes ist. Gängige Zweifel sind meist Ausdruck von Skepsis gegenüber einfachen Lebensläufen, kulturellen Projektionen und dem Wunsch, das große Genie zu entmystifizieren.

Shakespeares Werk ist universell und zeitlos, gerade weil es die Grenzen zwischen Individuum, Gesellschaft und kollektiver Vorstellungskraft überwindet. Die Debatte um seine Autorschaft ist daher weniger eine Frage nach Fakten, sondern vor allem nach Sinnstiftung, Identifikation und kultureller Identität – Fragen, die bis heute Millionen Leser weltweit bewegen.

Quellen

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