Die „Mobile“ ist eine revolutionäre Kunstform, die der amerikanische Bildhauer Alexander Calder in den 1930er Jahren maßgeblich geprägt und in die moderne Kunst eingeführt hat. Sie stellt eine Neubewertung der traditionellen Skulptur dar, indem sie das Kunstwerk von einem statischen Objekt zu einem dynamisch schwebenden, bewegten Raumkunstwerk transformiert. Calder erfand mit seinen „Mobiles“ eine Form der kinetischen Skulptur, die durch sorgfältig austarierte, hängende Elemente charakterisiert ist, welche sich mit der Luftbewegung frei bewegen. Diese Erfindung hat nicht nur die Bildhauerei erneuert, sondern auch die Wahrnehmung von Raum, Bewegung und Farbe in der Kunst weltweit verändert.
Ursprung und Begriffserklärung der „Mobile“

Der Begriff „Mobile“ wurde vom französisch-amerikanischen Künstler Marcel Duchamp geprägt, der diese Art hängender, beweglicher Skulpturen im Jahr 1931 erstmals so bezeichnete. Der Begriff ist ein Wortspiel auf Französisch, das sowohl „beweglich“ (mobile) als auch „Bewegung“ (motive) bedeutet – eine perfekte Beschreibung für Calders neuartige Kunstwerke.
Calder entwickelte den Begriff und das Konzept des „Mobile“ inspiriert durch die Kombination seiner ingenieurtechnischen Fähigkeiten und seines künstlerischen Erbes. Während der Begriff oft mit Calder assoziiert wird, war die Idee hängender, beweglicher Formen nicht völlig neu, doch Calder perfektionierte und popularisierte die Form als avantgardistische Kunstform. Er schuf eine ausgefeilte Balance aus Gelenken, Stäben und farbigen Formen, die durch Luftbewegung subtil und ständig neu arrangiert werden, wodurch sich die Skulptur beständig verändert und lebendig wirkt.
Die Technik des Schweißens in der modernen Metallskulptur
Die Entstehung von Calders Mobile: Technischer und künstlerischer Hintergrund

Alexander Calder wurde 1898 in Philadelphia geboren und hatte eine Ausbildung an technischen und künstlerischen Institutionen, was sich maßgeblich auf seine Kunstform auswirkte. Die Kombination aus Ingenieurswissen und künstlerischer Kreativität ermöglichte ihm, ein neuartiges Bildhauerelement zu erforschen: Skulpturen, die nicht statisch sind, sondern mit der Umgebung interagieren.
Seine ersten Experimente mit beweglichen Skulpturen fanden um 1930 in Paris statt, wo er begann, Formen aus dünnen, beschichteten Metallen zu konstruieren, die an langen filigranen Stäben hingen und in einem Gleichgewichtssystem ausbalanciert wurden. Die Formen, die Calder meistens aus gebogenen oder geschnittenen Aluminium- oder Stahlblechen fertigte, erinnern oft an organische Elemente wie Blätter oder Blütenblätter. Die Farbpalette war dabei oft streng gehalten: Primärfarben, Schwarz und Weiß dominierten und gaben den Werken einen lebendigen, kontrastreichen Ausdruck.
Dieser technische Aufbau basierte auf Apparaturen ähnlich dem sogenannten „Whippletree“-System, das ursprünglich in der Mechanik verwendet wurde, um Zugkräfte gleichmäßig zu verteilen. Calder wendete es neuartig an, um mehrere Elemente präzise auszubalancieren, sodass die Skulptur sich harmonisch bewegte. Dadurch wurde die Beweglichkeit kein bloßer Zufall, sondern das Ergebnis geplanten Gleichgewichts.
Künstlerische Bedeutung und Wirkung der Mobile
Calder revolutionierte die Skulptur durch seine „Mobiles“, denn sie brachten Bewegung, Leichtigkeit und eine neue Dimension von Raum und Zeit in die Plastik. Die durch Wind oder Luftströme erzeugte Bewegung lässt die Skulpturen nie statisch erscheinen, sondern sie verwandeln sich ständig und scheinen fast lebendig zu sein. Dies erzeugt eine faszinierende Verbindung zwischen Kunstwerk, Betrachter und Umgebung.
Anders als traditionelle Skulpturen, die auf Masse und Schwere beruhen, schaffen „Mobiles“ einen virtuellen Raum, der sich je nach Perspektive und Bewegung verändert. Sie können als eine Verschmelzung von Skulptur und Malerei verstanden werden, da die farbigen Flächen auch als abstrakte Formen im Raum wirken, die mit Licht und Schatten spielen.
Die Ästhetik der Mobile ist geprägt von:
- Balance und Harmonie: Durch sorgfältiges Austarieren jedes einzelnen fliegenden Elements entsteht eine visuelle und physische Harmonie.
- Fließende Bewegung: Kein „Fixpunkt“; die Arbeit verändert sich kontinuierlich.
- Spiel mit Raum und Gewicht: Die Elemente scheinen trotz Materialität zu schweben.
- Abstraktion: Die Formen sind abstrakt, erinnern oft an natürliche Motive, bleiben aber frei von konkreter Darstellung.
- Integration von Primärfarben: Die Farbwahl bringt Kontraste und Lebendigkeit.
Diese Eigenschaften machten die Mobile zu einem Symbol der Moderne und kinetischen Kunst, die sich von der traditionellen statischen Kunst abwendet.
Die Rolle der Skulptur im öffentlichen Raum: Denkmäler, Brunnen und moderne Kunst
Hauptwerke und Einflussreiche Beispiele von Calder Mobiles
Einige von Calders bekanntesten „Mobiles“ sind Ikonen der modernen Kunst geworden. Sie sind in bedeutenden Sammlungen und Museen weltweit ausgestellt und zeigen die Entwicklung seiner mobilen Skulpturen über Jahrzehnte.
„Lobster Trap and Fish Tail“ (1939)
Einer seiner ersten großen Aufträge, diese Skulptur schmückt seit 1939 die Treppenhalle des Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Sie illustriert Calders frühe Integration organischer, fischähnlicher Formen in seine mobiles, die eine Unterwasserwelt in Bewegung darstellen. Diese Arbeit stellte Calder als „Pionier der mobilen Kunst“ einem breiten Publikum vor.
„Man-Eater with Pennants“ (1945)
Ein weiteres Beispiel für seine monumentalen Mobiles, mit komplexen Balancierstrukturen und einer lebendigen Farbpalette. Dieses Werk wurde sorgfältig restauriert und zeigt die technische Raffinesse seiner Konzeption.
Monumentale Mobiles wie „Untitled“ (1976)
Diese riesigen Arbeiten, wie das „Untitled“ im East Building der National Gallery of Art in Washington, D.C., sind eindrucksvolle Beispiele für Calders Fähigkeit, große Skulpturen leicht und beweglich erscheinen zu lassen. Sie sind aus leichten Materialien wie Aluminium gefertigt und bewegen sich anmutig im Raum, oft allein durch Luftbewegung.
Calders Mobile im Kontext der Kunstgeschichte und moderner Gestaltung
Calder steht mit seinen Mobiles als Wegbereiter der kinetischen Kunst, die Bewegung als zentrales Gestaltungsmittel einsetzt. Diese Neuausrichtung der Skulptur beeinflusste zahlreiche Künstler und entwickelte sich in verschiedenen Ausprägungen weiter – von motorisierten Skulpturen bis hin zu interaktiven Installationen.
Zudem verbindet Calder mit seinen Mobiles die Architektur, die Natur und das menschliche Erleben auf innovative Weise. Seine Kunst fordert den Betrachter heraus, aktiv mitzuwirken, indem die Wahrnehmung durch Bewegung und wechselnde Perspektiven ständig neu definiert wird. So sind Calders Mobiles mehr als Objekte, sie sind lebendige Prozesse im Raum.
Die „Mobile“ nach Alexander Calder ist ein Meilenstein der modernen Skulptur. Sie transformiert die konventionelle Vorstellung von Kunst, indem sie statische Masse in Bewegung, Balance und spielerische Leichtigkeit verwandelt. Die mobilen Skulpturen sind Ausdruck eines dynamischen Raumerlebens, der Verbindung von Technik, Ästhetik und Wahrnehmung. Sie zeigen, wie Kunst lebendig und wandlungsfähig sein kann, und laden die Betrachter ein, Teil dieses fließenden, stets neu entstehenden Kunstwerks zu werden.
Quellen
- Artsper Blog: Alexander Calder’s Most Famous Mobiles: A Legacy in Motion
https://blog.artsper.com/en/a-closer-look/exploring-alexander-calders-most-famous-mobiles/ - Tate Gallery: Mobile – Calder
https://www.tate.org.uk/art/art-terms/m/mobile - Christie’s: Alexander Calder | Artwork for sale & auction results
https://www.christies.com/en/artists/alexander-calder - Marco Mahler: Mobiles before Calder – Who Invented Mobiles – A History
https://www.marcomahler.com/mobiles-before-calder-who-invented-mobiles-history/ - National Gallery of Art: Untitled by Alexander Calder
https://www.nga.gov/artworks/56517-untitled - Wikipedia: Alexander Calder
https://en.wikipedia.org/wiki/Alexander_Calder
