Die Geschichte der Farbe Ultramarin: Teurer als Gold

Ultramarin – allein schon der Name klingt edel, geheimnisvoll und grenzenlos. Der intensive, strahlend blaue Farbton fasziniert Menschen seit Jahrhunderten und war über lange Zeit wertvoller als Gold. Von buddhistischen Höhlen in Zentralasien über die Pracht der Renaissance in Italien bis zum Aufbruch der modernen Chemie reicht die bewegende Geschichte dieses Pigments. Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise durch Kulturen, Wissenschaft und Kunst, um die Bedeutung, Herkunft und magische Wirkung von Ultramarin zu beleuchten – und zu zeigen, warum seine Geschichte weit mehr als reine Farblehre ist.

Die wichtigsten Pinselarten und wofür man sie verwendet

1. Was ist Ultramarin?

Ultramarin ist ein tiefblauer, leuchtender Farbton und zählt zu den ältesten und kostbarsten Pigmenten der Kunstgeschichte. Die Bezeichnung stammt aus dem Lateinischen ultramarinus – „jenseits des Meeres“ –, da das Pigment einst aus fernen Ländern nach Europa eingeführt wurde. Ursprünglich gewannen Künstler das Pigment aus dem Halbedelstein Lapis Lazuli, der fast ausschließlich aus den Bergwerken des afghanischen Badakhshan stammte.

Die chemische Basis bildet ein komplexes Natrium-Aluminium-Silikat mit Schwefeleinlagerungen. Die strahlende Farbe verdankt Ultramarin dem sogenannten S3-Radikalanion im Kristallgitter des Minerals Lazurit, das als wertgebendes Hauptbestandteil im Lapis Lazuli vorkommt.

2. Die frühen Ursprünge: Lapis Lazuli und Afghanistan

Bereits im 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. zierte Lapis Lazuli mit seiner charakteristischen Farbe buddhistische Höhlenmalereien in Bamiyan (Afghanistan). Auch im alten Ägypten und in Mesopotamien war der Halbedelstein als Schmuckstein und Symbol göttlicher Kraft begehrt.

Doch nicht jeder blaue Edelstein eignet sich zur Gewinnung von Ultramarin. Nur der besonders reine, tiefblaue Lazurit-Anteil im Lapis Lazuli besaß die Farbintensität, nach der Künstler und Herrscher lechzten.

Afghanistan blieb über Jahrhunderte die nahezu exklusive Quelle des Rohstoffs. Von Badakhshan aus wurden Karawanen nach Persien, später über arabische Händler nach Venedig und schließlich in die Metropolen Europas geschickt.

3. Auf dem langen Weg nach Europa

Der mühsame Transport über die Seidenstraße machte Lapis Lazuli – und damit das Ultramarinpigment – zu einer unschätzbaren Kostbarkeit. Vor allem Venedig wurde im Mittelalter und der frühen Neuzeit das europäische Umschlagzentrum des blauen Schatzes.

Nur wenige Menschen hatten Zugang zu diesem Pigment, denn mit jeder Reiseetappe steigerten sich Seltenheit und Wert. Künstler konnten sich die Farbe nur selten leisten – oder mussten auf wohlhabende Auftraggeber hoffen, die gezielt für die Verwendung von Ultramarin bezahlten.

4. Ultramarin im Mittelalter und der Renaissance

Symbolik und Verwendung in der Kunst

Ultramarin avancierte in der westlichen Kunst zur Farbe der Könige und des Sakralen. Insbesondere in der christlichen Ikonografie stand das intensive Blau der Jungfrau Maria sinnbildlich für Reinheit, Göttlichkeit und Unendlichkit. Seine Verwendung unterschied sich deutlich vom billigeren Azurit oder Indigofarbstoff – Ultramarin wurde vor allem für zentrale Bildmotive und als Zeichen größtmöglicher Wertschätzung eingesetzt.

Im Mittelalter und der Renaissance war Ultramarin der teuerste verfügbare Blauton – und damit teurer als Gold, besonders in hochreinen Qualitäten. Künstler wie Giotto, Fra Angelico oder später Vermeer und Titian verwendeten es für besonders eindrucksvolle, symbolische Elemente ihrer Werke.

Vergleich mit Gold

Historische Quellen berichten, dass der Preis von feinstem Ultramarin den von Gold sogar überstieg – nicht selten wurden Extrakosten für das Pigment explizit in den Werkverträgen aufgeführt. Künstler und Auftraggeber verhandelten separat darüber, wie viel Ultramarin beim jeweiligen Werk verwendet werden durfte.

5. Das handwerkliche Geheimnis: Pigmentgewinnung

Aufwändige Extraktion aus Lapis Lazuli

Der Herstellungsprozess von natürlichem Ultramarin war extrem arbeitsintensiv. Nach historischen Rezepten – am bekanntesten ist die Anleitung des Florentiner Malers Cennino Cennini – wurde der Stein zunächst fein gemahlen, ehe das Pulver mit Harz, Wachs und Ölen vermengt wurde. Diese Masse wurde über Stunden gewässert und geknetet („wie Brotteig“), bis sich die reinen blauen Partikel absetzten und vom grauen Gesteinsanteil getrennt werden konnten. Für die reinste Pigmentqualität mussten die aufwendigen Arbeitsschritte mehrfach wiederholt werden.

Am Ende des Prozesses blieb nur eine winzige Menge reines Ultramarinpigment übrig. Um ein wenig des begehrten Blaus zu gewinnen, mussten im Extremfall mehrere Kilogramm Rohstein verarbeitet werden – jeder Arbeitsschritt steigerte nicht nur die Brillanz, sondern auch den Preis.

Der Preis des Blaus

Der hohe Aufwand und die beschränkte Verfügbarkeit bestimmten den astronomischen Preis von Ultramarin. Zur Zeit der Renaissance war feinstes Ultramarin mit Gold aufgewogen – manchmal wurde der Preis sogar nach Gewicht exakt verglichen oder das Pigment teurer gehandelt als Edelmetall. Die Begehrlichkeit des Blaus bestimmte seinen Marktwert.

6. Berühmte Kunstwerke und Künstler

Vermeer, Giotto und die Madonna in Blau

Meisterwerke wie Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“, Tizians „Bacchus und Ariadne“, zahlreiche Darstellungen der Madonna im Mittelalter sowie die Fresken von Giotto verdanken ihre himmlische Ausstrahlung dem teuren Ultramarin.

Giotto brachte im 14. Jahrhundert die Farbe gezielt als Symbol für das Göttliche in seine Fresken ein. Vermeer im 17. Jahrhundert setzte sie mit so großer Leidenschaft ein, dass es angeblich zum Ruin seiner Familie beitrug – so hoch waren die Materialkosten. In vielen dieser Werke kann man heute noch die Farbbrillanz des echten Ultramarins bewundern.

7. Soziale und wirtschaftliche Bedeutung

Statussymbol in Gesellschaft und Religion

Die Verwendung von Ultramarin war ein Privileg der Mächtigen, Kleriker und des Adels. Wer ein Bild mit leuchtendem Blau besaß, demonstrierte Reichtum, Einfluss und Frömmigkeit. So ist es kein Zufall, dass insbesondere Marien-Darstellungen oder die wichtigsten Figuren in der Kunst mit Ultramarin gemalt wurden.

Handel und Monopolisierung

Handelshäuser und Kunstmäzene strebten danach, möglichst viel Einfluss auf den Zugang zu Lapis Lazuli zu gewinnen. Venedig und später auch andere Handelszentren profitierten vom exklusiven Importrecht und bestimmten maßgeblich die Preisentwicklung und Verfügbarkeit in Europa.

8. Die Revolution der Chemie: Synthetisches Ultramarin

Die Entdeckung im 19. Jahrhundert

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts suchten Wissenschaftler nach einem Weg, das wertvolle Pigment künstlich herzustellen. 1824 rief die Société d’Encouragement pour l’Industrie Nationale in Frankreich einen mit 6.000 Francs dotierten Wettbewerb aus, einen Ersatz für das teure Naturultramarin zu finden.

Dem Chemiker Jean-Baptiste Guimet gelang es 1826, mit Tonerde, Soda, Quarz, Kohle und Schwefel eine Substanz herzustellen, die dem natürlichen Ultramarin optisch und chemisch entspricht. Auch der deutsche Chemiker Christian Gmelin arbeitete parallel an einem ähnlichen Verfahren. Fortan unterschied man zwischen „French Ultramarine“ (synthetisch) und echtem Ultramarin (aus Lapis Lazuli).

Auswirkungen auf den Kunstmarkt

Die Erfindung des synthetischen Pigments senkte schlagartig die Preise und machte das kräftige Blau endlich für breitere Schichten zugänglich. Künstler mussten nicht mehr zwischen ihren künstlerischen Visionen und wirtschaftlichen Zwängen abwägen. Das leuchtende Blau fand rasch Einzug in die Malpaletten des 19. und 20. Jahrhunderts und revolutionierte die Farbauswahl in Kunst, Handwerk und Industrie.

9. Ultramarin heute: Kunst, Wissenschaft und Moderne

Heute ist Ultramarin sowohl als synthetisch als auch, seltener, in seiner natürlichen Variante erhältlich. Die industrielle Herstellung folgt grundsätzlich demselben Prinzip wie das von Guimet entwickelte Verfahren: Mischung aus Tonerde, Soda, Schwefel und Quarz wird unter hohen Temperaturen umgesetzt, erhält dadurch seinen charakteristischen Farbton und wird anschließend gewaschen und gemahlen.

In der Kunst genießt Ultramarin weiterhin einen besonderen Status – viele Künstlerinnen und Künstler schätzen den strahlenden, beinahe leuchtenden Charakter und greifen immer wieder bewusst zu diesem Pigment. Darüber hinaus findet Ultramarin Anwendung in Kosmetik, Architektur, Textilien und wissenschaftlicher Forschung.

10. Faszination und Wirkung: Psychologie der Farbe

Blau – und insbesondere Ultramarin – entfaltet eine besondere emotionale Wirkung. Es steht für Unendlichkeit, Spiritualität, Klarheit und Tiefe. Bereits in der Antike und im Mittelalter assoziierte man Ultramarin mit dem Himmel, dem Meer und dem Erhabenen. Seine hypnotische Intensität ließ es „magisch“ erscheinen, weshalb das Pigment nicht nur künstlerisch, sondern auch in rituellen und religiösen Kontexten eingesetzt wurde.

11. Ultramarin im Vergleich zu anderen blauen Pigmenten

Vor der Verfügbarkeit von Ultramarin verwendeten Künstler Pigmente wie Azurit (ein eher grünstichiges Blau) oder Indigofarbstoff, die jedoch in Leuchtkraft und Beständigkeit zurückblieben. Auch nach der Verfügbarkeit synthetischer Alternativen blieb Ultramarin der Maßstab für Brillanz und Beständigkeit – bis heute gilt es als das „perfekte Blau“.

Die Geschichte des Ultramarins ist ein faszinierender Spiegel von Kunst, Wissenschaft, Religion und Handel. Über Jahrhunderte war es ein Symbol für Reichtum, Macht und das Göttliche – wertvoller als Gold, umgeben von Mythen und Legenden. Seine Gewinnung aus fernen Ländern, die mühsame Extraktion, seine Bedeutung in großen Kunstwerken und die Revolution durch die Chemie haben das Pigment zu einem zentralen Gegenstand der Menschheitsgeschichte werden lassen. Ultramarin bleibt ein Farbton, der Menschen berührt, inspiriert und verzaubert.

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Quellen

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